Funktionelle Anatomie des Menschen



Haut, Hautanhangsgebilde und Brust

Die äußere Körperoberfläche wird von der
Haut (Derma, Cutis) bedeckt. Die Haut ist flächenmäßig das größte, das schwerste und funktionell das vielseitigste Organ des menschlichen Organismus. Sie dient der Abgrenzung von Innen und Außen (Hüllorgan), dem Schutz vor Umwelteinflüssen, der Repräsentation, Kommunikation und Wahrung der Homöostase (inneres Gleichgewicht). Weiterhin übernimmt die Haut wichtige Funktionen im Bereich des Stoffwechsels und der Immunologie und verfügt über vielfältige Anpassungsmechanismen. Die Haut des Menschen hat vielseitige Aufgaben: Temperaturregelung, Wasserhaushalt, Reizaufnahme und Reizbeantwortung sowie die Abwehr. Bekannte Reaktionen sind die Rötung bei bestimmten Krankheiten, oder auch die Blaufärbung bei Herzkrankheiten.
Die Haut ist nicht nur ein wichtiges Schutzorgan und Ausscheidungsorgan, sondern auch ein Sinnesorgan. In der Lederhaut befinden sich Sinneszellen (z.B. Wärme-, Kälte-, Tastkörperchen) und freie Nervenendigungen, die auf Wärme, Kälte, Berührung und Druck sowie Schmerz reagieren.

Haut mit Sinnesorgane und HaarwurzelSinnesorgane der Haut:Haut Hautgewebe und Haar

Haut mit Sinnesorgane (Nervenenden, Hautrezeptoren) und Schnitt durch eine Haarwurzel; Sinnesorgane der Haut: 1 = Meissner-Tastkörperchen, 2 = Merkel-Tastscheibe, 3 = Ruffini-Tastkörperchen, 4 = Vater-Pacini-Körperchen, 5 = freie Nervenendigung; Haut und Haar: 1 = Oberhaut (Epidermis), 2 = Lederhaut (Dermis), 3 = Unterhaut (Tela subcutanea), 4 = Hornschicht (Stratum corneum), 5 = Keimschicht (Stratum germinativum), 6 = Papillarkörper (Stratum papillare), 7 = Netzschicht (Stratum reticulare), 8 = Fettschicht (Panniculus adiposus), 9 = Arterien, 10 = Venen, 11 = Lymphgefäße, 12 = Haare (Pili), 13 = Talgdrüse, 14 = Haarschaft, 15 = Haarwurzel, 16 = Haarmuskel (M. arrector pili), 17 = Schweißdrüse, 18 = Kapillargebiet, 19 = Meißner Tastkörperchen, 20 = Vater-Pacini-Lamellenkörperchen, 21 = oberflächliche Faszie, 22 = quergestreifte Muskulatur

Allgemein besteht die Haut aus der Oberhaut (Epidermis), einem mehrschichtigen verhornten Plattenepithel, und der Lederhaut (Dermis, Corium) mit einem engen Geflecht von Fasern, die fest mit der Oberhaut verflochten sind. Darunter schließt sich die Unterhaut (Subcutis, Tela subcutanea) an.
Die in der Oberhaut vorkommenden Pigmentzellen (Melanozyten) sind für die Hautfarbe verantwortlich. Die Melaninbildung kann durch Sonnenstrahlen verstärkt werden – Sonnenbräune. Vitamin-A-Mangel führt zu vermehrter Verhornung (Hyperkeratose).
Erst durch die Lederhaut erreicht die Haut ihre Festigkeit und Elastizität. Die oberen Anteile reichen zapfenförmig in die Oberhaut – die Papillarschicht (Stratum papillare). In ihr befinden sich neben den Kollagenfasern die Blutkapillare und Lymphkapillare sowie die Nervenaufzweigungen und spezielle Sinnesorgane (Meissner-Tastkörperchen). Die Geflechtsschicht (Stratum reticulare) darunter sorgt für die Elastizität der Haut. In ihr befinden sich die Haarwurzeln mit dem Haarmuskel (M. arrector pili), den Knäueln der Talgdrüsen sowie Vater-Pacini-Lamellenkörperchen.
Ein Einstich macht wegen der geordneten Faserrichtung kein Loch, sondern einen Spalt. Diese Spaltlinien verlaufen in Richtung der geringsten Dehnbarkeit, was gerade für kosmetische Eingriffe wichtig ist. Die Unterhaut ist mit gekammertem Bindewebe und Fettgewebe ausgefüllt und stellt die Verbindung zur oberflächlichen Körperfaszie her. In der Unterhaut befinden sich die größeren Blutgefäße und Lymphgefäße.



Ausschnitt Epidermis der Haut mit Bindegewebe, Blutkapillare und Lymphgefäße; Fingerkuppe mit Fingernagel, eine Hornbildung der Haut

Hautanhangsgebilde sind spezialisierte, aus der Epidermis entstandene Strukturen, die eine funktionelle Einheit mit der Haut bilden. Sie umfassen Haare, Nägel sowie verschiedene Drüsen (Talg-, Schweiß- und Milchdrüsen). Diese Strukturen dienen Schutz-, Sinnes- und Regulationsfunktionen, wie Thermoregulation oder Talgproduktion.
Die
Nägel (Ungues) sind besondere Hornbildungen der Haut. Die Nagelplatten sind Abkömmlinge der Epidermis. Nägel bilden sich an der Nagelwurzel aus Hornplatten. Die Nagelwurzel befindet sich am Grunde der Nageltasche. Das Epithel, das in der Nageltasche dorsal der Nagelplatte aufliegt, wird als Eponychium bezeichnet; das, welchem der Nagel von palmar her aufliegt, als Hyponychium.
Die
Haare (Pili, Capillus, Crinis, Coma) dienen meist der Tastempfindung und als Wärmeschutz. Sie bestehen im Wesentlichen aus Keratin und ist grob in drei Schichten aufgebaut: Cuticula, Cortex und Medulla. Die äußerste Schicht, Cuticula oder Schuppenschicht, besteht aus flachen, übereinandergreifenden und verhornten, abgestorbenen Zellen. Der Cortex, auch Faserschicht oder Faserstamm, macht etwa 80 Prozent des Haaranteils aus. Der Cortex besteht aus Faserbündeln, die aus einer großen Zahl feinster Keratinfasern, den Fibrillen, bestehen. Bei dicken Haaren fällt in wenigen Fällen eine starke Auflockerung der Faserstruktur mit teilweise Höhlräumen im Zentrum des Haares auf, die im Faserstamm sonst so geordnete Struktur fehlt hier. Diesen Bereich des Haares nennt man Markkanal oder Mark (Medulla). Man verliert täglich etwa 50 Haare. Die Hautdrüsen sind als Schweißdrüsen, Duftdrüsen und Talgdrüsen tätig.

Oberflächenanatomie Brüste einer FraSchnitt durch Brustdrüse, Darstellungen Gewebe der Mamma

Oberflächenanatomie Brüste einer Frau; Schnitt durch Brustdrüse, Darstellungen Gewebe der Mamma

Die
Brust (Mamma, Brustdrüse, Milchdrüse, Glandula mammaria, weibliche Brust) ist die Brustdrüse der Frau. Sie entwickelt sich in der Pubertät unter hormonellem Einfluss morphologisch und funktionell. Die männliche Brustdrüse (Mamma masculina) zeigt einen vergleichbaren Aufbau, doch entwickelt sie sich mangels hormoneller Faktoren nicht weiter und bleibt rudimentär. Die Brust befindet sich in Höhe der dritten bis siebenten Rippe auf dem Brustkorb, sie liegt dem Brustmuskel auf und ist leicht verschieblich.

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Wissen:
Anatomie Brustdrüse der Frau >>
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Die Brust ist bei Menschen ein aus Drüsen-, Fett- und Bindegewebe bestehendes Organ auf der vorderen Thoraxwand. Für viele Frauen ist die Brust ein Symbol für Weiblichkeit, Fruchtbarkeit und Attraktivität, was häufig zu hohen Erwartungen an Form und Größe führt.
Die Brustdrüse gehört zu den großen Hautdrüsen (Glandulae cutis) und entsteht aus kleinen Epithelzapfen der Epidermis, die in das umgebende Bindegewebe einwachsen. Die Brust ist von Blutgefäßen, Nerven und Lymphgefäßen durchzogen; von Bedeutung ist der Lymphabfluss, der vor allem in Richtung Achselhöhle sowie auch in Richtung Brustbein und Schlüsselbein erfolgt.
Die Brustwarze (Mamille) ist die Erhebung in der Mitte des Warzenhofs (Areola), der runde, stärker pigmentierte Hautbereich in der Mitte der Brustdrüse. In der Brustwarze der Frau treffen sich die Milchgänge der Brust, über die beim Stillen Milch nach außen fließt. Die Brustwarzen beim Mann bleiben wie die männlichen Brustdrüsen unterentwickelt.

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