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Anatomie Brustdrüse der Frau
Die Mamma (Brustdrüse, Milchdrüse, Glandula mammaria, weibliche Brust) ist die Brustdrüse der Frau. Sie entwickelt sich in der Pubertät unter hormonellem Einfluss morphologisch und funktionell. Anatomisch zählt die weibliche Brust (Mamma) zu den sekundären Geschlechtsmerkmalen der Frau. Die biologische Funktion ist zunächst das Stillen von Säuglingen mit Muttermilch, weshalb der Mensch auch zur Klasse der Säugetiere gezählt wird. Die Brustdrüse gehört zu den großen Hautdrüsen (Glandulae cutis) und entsteht aus kleinen Epithelzapfen der Epidermis, die in das umgebende Bindegewebe einwachsen. Die Brustdrüsen werden zunächst bei beiden Geschlechtern in gleicher Weise angelegt.


Oberflächenanatomie Brüste einer Frau; Schnitt durch Brustdrüse, Darstellungen Gewebe der Mamma
Bei Mädchen vergrößern sich die Drüsenanlagen während der Pubertät unter dem Einfluss weiblicher Geschlechtshormone. In Verbindung damit wird auch ein mit Fettgewebe durchsetzter Bindegewebskörper gebildet, der erst während der Schwangerschaft voll in das sich entfaltende Drüsengewebe einbezogen wird und vorher als Platzhalter fungiert. Bei den nichtsezernierenden Brustdrüse überwiegen deren Binde- und Fettgewebsanteile in der Unterhaut und bewirken die individuell sehr unterschiedliche Ausbildung der Mamma in Form und Größe.
Eine normale weibliche Brustdrüse ist gleichmäßig weich beschaffen und stets gegenüber ihrer Unterlage verschieblich. Sie liegt in der Regel in Höhe der 3. bis 7. Rippe zwischen der Sternal- und Axillarlinie auf dem großen Brustmuskel (M. pectoralis major) und seiner Faszie. Bei fortgeschrittenen Fällen von Brustkrebs kann die Verschieblichkeit aufgehoben sein (Spätzeichen).


Seitenansichten weibliche Brust mit läppchenartig unterteilten Drüsenbereichen und Milchgängen; Drüsenlappen mit Milchdrüsen, Histologie Drüsengewebe ohne Sekretion und in Laktationsphase (Milchabsonderung)
In der Mitte des halbkugelig sich vorwölbenden Organs befindet sich der auffallend pigmentierte Warzenhof (Areola mammae) mit den winzigen Erhabenheiten der Warzenhofdrüsen (Glandulae areolares). Im Zentrum des Warzenhofes steht die ebenfalls stärker pigmentierte, dunkel- bis hellrote, Brustwarze (Papilla mammae, Mamilla). Die arterielle Versorgung der Brustdrüse erfolgt aus Gefäßästen der Brustwand (A. thoracica interna, A. thoracica lateralis, Interkostalarterien), die Innervation ist an die oberen Interkostalnerven gebunden. Die Venen verzweigen sich in weitmaschige oberflächliche und tief im Drüsenkörper liegende Netze, wobei das oberflächliche häufig durch die Haut hindurchschimmert. Die zahlreichen Lymphgefäße der Mamma bilden ebenfalls ein oberflächlich und ein tief gelegenes Geflecht mit mehreren Abflussrichtungen. Die Hauptabflussbahn erreicht lateral die Lymphknoten am unteren Rand des großen Brustmuskels (Sorgius-Gruppe) und die oberflächlichen und tiefen Lymphknoten der Achselhöhle (axillärer Lymphabfluss).
Letztere haben auch direkt eine intramuskuläre Abflussbahn zwischen den Brustmuskeln. Ein anderer Lymphabfluss gelang nach medial zu den parasternalen und sternalen Lymphknoten. Es kommen Verbindungen (Anastomosen) zu den innen gelegenen interkostalen und mediastinalen Lymphbahnen sowie zur Gegenseite häufig vor (parasternale Abflussbahn). Durch diese vielfachen Abflussmöglichkeiten ist die Gefahr der Metastasierung sehr groß.



Drüsengewebe der Brustdrüse mit Milchgang; Mammakarzinom in der Brust und Entzündung Brustgewebe; Fibroadenom, gutartiges tumorartiges Gewebe in der Brustdrüse; Brustkrebs-Vorsorge, Abtasten der Brust, Lokalisation Mammakarzinom
Die Estrogene sorgen bereits im 2. Schwangerschaftsmonat für eine Sprossung der Milchgänge, deren vollständige Kanalisierung etwa in der Schwangerschaftsmitte abgeschlossen ist. Durch das jetzt wirkende Progesteron bilden sich weitere Knospen. Gegen Ende des 8. Schwangerschaftsmonats stimuliert das Prolactin die Sekretion von Vormilch (Colostrum). Die echte Milchsekretion setzt kurz nach der Geburt ein. Der Saugreiz bewirkt die Ausschüttung des Hormons Oxytocin, das die Myoepithelzellen zur Milchsekretion anregt. Beim Abstillen kommt es zur Rückbildung der Alveolen und zum Abtransport der Milchreste durch das Lymphsystem.
Die Brüste – vor allem die Brustwarzen – gehören zu den erogenen Zonen. Berührungen der Brustwarzen wirken oft stimulierend, erregen den Geschlechtstrieb oder führen nach der Schwangerschaft zur Absonderung von Muttermilch.
Mit der Erkrankung der Brust beschäftigt sich die in der Medizin die Senologie. Eine der häufigsten Erkrankungen dieser Art ist der Brustkrebs (Mammakarzinom). Bei fortgeschrittenen Fällen von Brustkrebs kann die Verschieblichkeit der Brust auf ihrer Unterlage aufgehoben sein (Spätzeichen). Beim Mammakarzinom der weiblichen Brust handelt es sich um den häufigste bösartige Tumor in der Brustdrüse, eine in westlichen Staaten häufigste Krebsart bei Frauen. Etwa 5 Prozent der Brustkrebserkrankungen sind erblich bedingt, weitaus häufiger sind genetische Veränderungen, die die Empfänglichkeit für Brustkrebs auf äußere Faktoren erhöhen.
Wichtig ist die Brustkrebs-Früherkennung durch intensive Selbstuntersuchung der Brust. Screening ist eine Früherkennungsuntersuchung durch Mammographie, die jetzt für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren Bestandteil des gesetzlichen Früherkennungsprogramms ist. Regelmäßige Kontrollen beim Gynäkologen sind von großer Bedeutung. Je zeitiger der Brustkrebs erkannt wird, umso größer sind die Heilungschancen.
Untersuchungen, um Brustkrebs festzustellen und die Diagnose zu sichern, sind neben dem Mammographie-Screening Ultraschall (Sonographie), Biopsie (Gewebeprobeentnahme) und die Magnetresonanztomographie (MRT).


Mammakarzinom, Tumorwachstum durch Angiogenese; Trastuzumab-Antikörper gegen Brustkrebs
Die Therapie besteht in der Regel in einer an das Erkrankungsstadium angepassten Kombination aus Operation sowie Zytostatika-, Hormon- und Strahlentherapie. Die Operation ist die zentrale Säule der Therapie, sie ist meist der erste Thrapieschritt nach der Diagnose Brustkrebs. Neue Ansätze aus dem Gebiet der Krebsimmuntherapie werden außerdem durch monoklonale Antikörper ermöglicht.
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